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Verkehr, Nr. 18 , 7.5.2010
Von Wolfgang Knabl


Auf dem rumänischen Transport- und Logistikmarkt herrscht starker Konkurrenzdruck. Erfolg hat, wer über Know-how und Alternativen zum schlechten Straßennetz verfügt.

Über die RoRo-Rampe im oberösterreichischen Ennshafen wurden Mitte November 78 Dacias aus Rumänien entladen. Verantwortlich für Logistik und Ausführung: der Schwertberger Fahrzeuglogistik-Spezialist Hödlmayr, der damit einen Großauftrag des rumänischen Autoherstellers erstmals auf dem Binnenwasserweg abgewickelt hat. Eine Transport-Variante für die Zukunft.

„Der Kostendruck hat in Rumänien enorm zugenommen, die Preise für Maut, Road Pricing steigen konstant“, sagt Michael Geschke. „Da braucht man flexible und kostengünstige Alternativen zur Straße.“ Geschke ist Geschäftsführer der rumänischen Hödlmayr-Tochter Hödlmayr-Lazar Romania, seit diese 2002 als Joint Venture zwischen Hödlmayr International (51%) und International Lazar Company (49%) gegründet worden ist.

Österreichisches Know-how ist gefragt

Der Markt ist seither stark gewachsen, zu den größten österreichischen Transporteuren und Logistikern in Rumänien gehören neben Hödlmayr cargo-Partner, Express Interfracht (OEBB), Gebrüder Weiss, Interliner, Lagermax, Paul Klacska, Schenker. Der Markt ist hart umkämpft. „Die Margen sind relativ gering“, weiß Rudolf Lukavsky, österreichischer Handelsdelegierter in Bukarest. „Es gibt viele lokale Anbieter, die auch mit kleinem Fuhrpark extrem preisaggressiv auftreten. “Da können österreichische Unternehmen vor allem mit Know-how punkten – und das ist in Rumänien vor allem bei Schwertransporten, Gefahrengut und Sondertransporten gefragt. Und eben in der Kfz-Logistik. „Hödlmayr hat in Rumänien schon vor Jahren kräftig investiert, um allen Kunden einen westlichen Standard bieten zu können“, so Geschke. Im September 2004 hat Hödlmayr 140 Kilometer westlich von Bukarest in Bascov bei Pitesti ein Logistikzentrum eröffnet. Die Lagerkapazität beträgt 118.139 Quadratmeter, ein eigener Gleisanschluss ist in Vorbereitung. In Pitesti befindet sich auch eines der Hauptwerke von Dacia. Südlich der Stadt liegt die Erdölraffinerie Bradu. Derzeit beschäftigt Hödlmayr in Rumänien 170 Mitarbeiter und verfügt über 124 Car-Carrier.

„Der Ausbau des Straßennetzes ist aber bei Weitem nicht ausreichend, wir sehen einen klaren Trend in Richtung Alternativen zur Straße“, sagt Geschke. Derzeit werden noch 94 % der Hödlmayr-Transporte auf der Straße abgewickelt, 5 % via Schiene, 1 % auf dem Wasserweg. Insgesamt werden in Rumänien 69 % des Güterverkehrs auf der Straße abgewickelt, 22 % auf Schiene, 5 % via Binnenschifffahrt.

Der mangelhafte Zustand der Transportinfrastruktur ist für die Wirtschaft ein Problem, das bis 2013 behoben werden soll. Ein Projekt mit hoher Priorität ist etwa der Ausbau der Autobahn bis zur ungarischen Grenze, um die Verbindung zwischen Konstanza, dem wichtigen Schwarzmeerhafen, und dem Westen zu verbessern. Die Privatisierung des Güterbereichs der rumänischen Staatsbahnen (Caile Ferate Romane/CFR) ist ebenfalls ein Dauerthema. Die CFR gilt als teuer und ineffizient und verliert laufend Marktanteile an die Straße. Im Zusammenhang mit der Privatisierung war auch ein möglicher Einstieg der ÖBB Thema. Derzeit, so Lukavsky, sei dies allerdings nicht relevant. Fix ist dagegen, dass die VOEST ein Stahl-Service-Center in Rumänien baut. Eine Chance für österreichische Transporteure und Logistiker? „Natürlich. Aber es wird von der Autoindustrie und anderen Metallverarbeitern abhängen, wie schnell dieser Bereich wächst“, meint Lukavsky. Generell sei 2010 für den Einstieg in den rumänischen Markt aber „wieder günstiger“, vor allem wegen sinkender Immobilienpreise und EU-Förderungen.

Das Erfolgsrezept für den rumänischen Markt? „Wir setzen auf starke Partner, die richtigen Mitarbeiter und hohe Flexibilität“, sagt Michael Geschke. „Wichtig ist auch ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, an dem wir proaktiv mit Kunden arbeiten.“ Die Investitionen in moderne Standards mit westlicher Qualität hätten sich als erfolgreich erwiesen. Geschkes Fazit nach fast 8 Jahren: „Es war die richtige Entscheidung, in den rumänischen Markt einzutreten – er hat ein großes Potenzial an Menschen, die etwas bewegen wollen.“.


Marode Infrastruktur

Rumänien hat im Vergleich zu anderen EU-Ländern sehr viel aufzuholen: 2/3 der Transportinfrastruktur müssen dringend erneuert werden. Bis 2013 werden 3,6 Mrd. Euro aus Mitteln der EU und 7,4 Mrd. aus dem Budget Rumäniens in die Verkehrsinfrastruktur fließen. Die Aufteilung des Güterverkehrs: 69% Straße, 22% Schiene, 5% Binnenschiffe, 3,5% Pipelines, 1% Hochseeschiffe, 0,01 % Flugzeug.



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